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Freienwill: Bewegender Abschied für Landarzt Claus Damberg

 

Als Damberg nach einer Krankheitsvertretung am 1. Oktober 1992 die Praxis übernahm, war er, aus dem Klinikalltag kommend, „ziemlich grün“, und musste in das „kassenärztliche Gehabe“ erst einmal eingewiesen werden.

 

„Ich habe einfach nur meine Arbeit gemacht“, sagte Claus Damberg, der nach 30 Jahren Tätigkeit in der Landarztpraxis Freienwill von Kollegen, Mitarbeitern und Wegbegleitern im Rahmen einer kleinen Feierstunde in den Ruhestand verabschiedet wurde.

 

„Mir klingeln ja die Ohren“, quittierte der frischgebackene Rentner sichtlich bewegt die zahlreichen Grußreden, die voll des Lobes und der Anerkennung für ihn und seine Arbeit waren. Mit einem kleinen Augenzwinkern blickte er zurück und bedankte sich zunächst bei seinen Helferinnen der ersten Stunde, die inzwischen auch schon Rente bezögen.

 

Denn als er nach einer Krankheitsvertretung am 1. Oktober 1992 die Praxis übernahm, sei er, aus dem Klinikalltag kommend, „ziemlich grün“ gewesen, schmunzelte er und musste in das „kassenärztliche Gehabe“ erst einmal eingewiesen werden. Von handschriftlichen Rezepten und Überweisungen über das Kartenlesegerät ging es mit Einführung des EDV-Abrechnungssystems in die „Neuzeit“. Das sei bis Anfang 2018 der „sogenannte Fortschritt“ in seiner Praxis gewesen.

Zustimmung für das MVZ vor drei Jahren

 

Zu dem Zeitpunkt begann die Diskussion, der Mitte 2019 schließlich auch seine Zustimmung zur Gründung des Medizinischen Versorgungszentrum gGmbH (MVZ) im Amt Hürup folgte – eine „kleine Revolution“.

 

Diese zukunftsweisende Entscheidung stellte der Geschäftsführer des MVZ, Volker Schümann, dann auch besonders heraus: „Danke, Claus, dass Du am Ende Deines Berufslebens noch einmal als Angestellter – zudem zwei Jahre länger als eigentlich geplant – für uns gearbeitet hast.“ Er betonte, dass andernfalls die „Lichter höchstwahrscheinlich nun ausgegangen wären in der Praxis Freienwill“. Mit dem MVZ seien wichtige Voraussetzungen für die Sicherung der ärztlichen Versorgung im Amt Hürup geschaffen worden, weil dadurch vor allem die persönlichen und beruflichen Rahmenbedingungen für neue Kräfte verbessert wurden.

 

Eines der positiven Beispiele sei die Einstellung der beiden Ärztinnen in Freienwill, Dr. Heike Löschen-Wegener und Dr. Christiane Großbach.

 

Gleiches gelte für den zweiten Praxisstandort Husby, wo sich zeitgleich ein Kollege in die Rente verabschiede, versicherte Matthias Schmidt, ärztlicher Leiter des MVZ.

 

Er kenne Claus Damberg aus ihrer gemeinsamen Zivildienstzeit. „Du hast für Deinen Beruf eine Marke gesetzt mit Deiner den Menschen zugewandten Art und dem Vertrauen im Team Deiner familiär geführten Praxis.“

Immer ein offenes Ohr

 

Die Sicht der Patienten auf „ihren Hausarzt“ stellte eindrucksvoll auch der Bürgermeister von Freienwill, Dirk Richelsen, dar – aus eigener Erfahrung. „Du hattest immer ein Ohr für die Menschen und hast ihnen gerade in schweren Zeiten hilfreich zur Seite gestanden.“ Das sei Menschlichkeit, die nicht in Diagnosen, auf Krankenscheinen und schon gar nicht mit Geld abgebildet werden könne, betonte er.

 

Den Dank der Sozialstation im Amt Hürup für die unkomplizierte Zusammenarbeit überbrachte Svenja Ganzel. Den Patienten an der Telefonnummer zu erkennen und zu wissen, wer mit wem verwandt oder verschwägert sei, mache einen „alten Landarzt“ aus. Wenn dazu noch ein guter Pflegedienst im unmittelbaren Umfeld hinzukomme, seien die Bedingungen für die Patienten perfekt, meinte sie.